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Hangzhou 2008

Die Stadt am Westsee

Ich stehe am Abflugschalter in Shanghai und schaue gespannt auf die Gewichtsanzeige. Werden die vielen Souvenirs, die ich auf den bunten Märkten in Hangzhou gekauft habe, mich nochmals zum Umpacken zwingen? Die nette Dame des Bodenpersonals nickt wohlwollend und bindet das weiße Etikett mit Zielflughafen Frankfurt an meinen Koffer. Geschafft!

Nach fast 4 Wochen geht es zurück nach Deutschland. Ich setze mich auf einen Sitzplatz in der Abflughalle und lasse den Aufenthalt in China nochmals Revue passieren.

Eigentlich hat mich Asien als Reiseziel nie wirklich gereizt, geschweige den China. Über eine Milliarde Menschen, für uns Europäer äußerlich kaum zu unterscheiden, ein unglaubliche Hitze im Sommer, die Ungewissheit, sich vielleicht 4 Wochen lang nur von undefinierbarem Essen an unhygienischen Straßenständen ernähren zu müssen und vor allem die möglichen Verständigungsprobleme aufgrund einer komplett anderen Sprache…

Zugegebenermaßen bin ich von Natur aus kein Abenteurer, jedoch war der Anreiz, das Ursprungsland der TCM näher kennenzulernen größer als meine vielen Bedenken.

 

Ankunft

Hangzhou

Unsere Ankunft war wie erwartet hektisch und schwül-warm. Ein Taifun am Vortag hatte die Temperaturen auf ein einigermaßen erträgliches Maß reduziert und so konnten wir uns gut aklimatisieren.

Wir wurden von einer fröhlich grinsenden Chinesin, unsere Dolmetscherin, im Empfang genommen und da das Hotelpersonal kein Wort englisch sprach, erledigte sie glücklicherweise die Formalitäten für uns.

Das Hotel lag sehr günstig, nur ein paar Meter von der Klinik entfernt. Die ersten Tage waren sehr anstrengend. Da die wenigen Sitzgelegenheiten in den ambulanten Praxen von chinesischen Patienten belegt wurden, waren wir gezwungen, den ganzen Tag zu stehen. Glücklicherweise waren die meisten Räume wenigstens etwas klimatisiert.

 

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Klinisches Praktikum

Akupunktur und Tui Na Hospital

In dem Krankenhaus gab es ambulante Fachpraxen für Akupunktur, Tuina und Kräuter und ein Stockwerk mit stationärer Behandlung. Die verschiedenen großen Räume waren mit einem oder mehreren Ärzten belegt. Der Arzt saß an einem kleinen Schreibtisch neben der Tür und der Patient durfte daneben Platz nehmen.

Aber von einem geregelten Praxisablauf mit einem ausgeprägten Hang zur Diskretion wie hier in Deutschland war nichts zu spüren. Vor allem in den Vormittagsstunden wollten alle Patienten gleichzeitig drankommen, drängelten sich vor, bildeten Menschentrauben um den gerade sitzenden Patienten und diskutieren bei der Diagnosestellung tatkräftig mit.

Die Ärzte waren sehr auskunftsfreudig, bezogen uns in die Anamnese mit ein und gaben ihr Wissen gerne weiter.

Dann wurden die Patienten auf die Vielzahl der im Raum vorhandenen Liegen verteilt. Am Anfang war ich von dieser Menschenansammlung überwältigt. Als wäre der Raum nicht schon genügend bevölkert, wuselten noch ein Vielzahl von Arzthelferinnen und TCM-Studenten geschäftig durch die Gegend.

Nun folgten wir dem Arzt von Patienten zu Patienten. Die meisten von ihnen gaben bereitwillig Auskunft über die genadelten Punkte, erläuterten Vorgehensweise und Dauer der Behandlung. Wir waren erstaunt darüber, dass die meisten Patienten dreimal die Woche zur Behandlung erscheinen mussten. Nach ein paar Tagen durften wir sogar einige Punkte lokalisieren und auch nadeln, was zum Teil nicht ganz einfach war, da die meisten Patienten sehr gut Schmerz von DeQi unterscheiden konnten und erst zufrieden waren, nachdem die „Sensation“ ausgelöst wurde. Nach einer halben Stunde wurden die Nadeln entfernt und das Spiel begann von neuem.

 

 

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Hangzhou 2008

Die Stadt am Westsee

Ich stehe am Abflugschalter in Shanghai und schaue gespannt auf die Gewichtsanzeige. Werden die vielen Souvenirs, die ich auf den bunten Märkten in Hangzhou gekauft habe, mich nochmals zum Umpacken zwingen? Die nette Dame des Bodenpersonals nickt wohlwollend und bindet das weiße Etikett mit Zielflughafen Frankfurt an meinen Koffer. Geschafft!

Nach fast 4 Wochen geht es zurück nach Deutschland. Ich setze mich auf einen Sitzplatz in der Abflughalle und lasse den Aufenthalt in China nochmals Revue passieren.

Eigentlich hat mich Asien als Reiseziel nie wirklich gereizt, geschweige den China. Über eine Milliarde Menschen, für uns Europäer äußerlich kaum zu unterscheiden, ein unglaubliche Hitze im Sommer, die Ungewissheit, sich vielleicht 4 Wochen lang nur von undefinierbarem Essen an unhygienischen Straßenständen ernähren zu müssen und vor allem die möglichen Verständigungsprobleme aufgrund einer komplett anderen Sprache…

Zugegebenermaßen bin ich von Natur aus kein Abenteurer, jedoch war der Anreiz, das Ursprungsland der TCM näher kennenzulernen größer als meine vielen Bedenken.

 

Ankunft

Hangzhou

Unsere Ankunft war wie erwartet hektisch und schwül-warm. Ein Taifun am Vortag hatte die Temperaturen auf ein einigermaßen erträgliches Maß reduziert und so konnten wir uns gut aklimatisieren.

Wir wurden von einer fröhlich grinsenden Chinesin, unsere Dolmetscherin, im Empfang genommen und da das Hotelpersonal kein Wort englisch sprach, erledigte sie glücklicherweise die Formalitäten für uns.

Das Hotel lag sehr günstig, nur ein paar Meter von der Klinik entfernt. Die ersten Tage waren sehr anstrengend. Da die wenigen Sitzgelegenheiten in den ambulanten Praxen von chinesischen Patienten belegt wurden, waren wir gezwungen, den ganzen Tag zu stehen. Glücklicherweise waren die meisten Räume wenigstens etwas klimatisiert.

 

Klinisches Praktikum

Akupunktur und Tui Na Hospital

In dem Krankenhaus gab es ambulante Fachpraxen für Akupunktur, Tuina und Kräuter und ein Stockwerk mit stationärer Behandlung. Die verschiedenen großen Räume waren mit einem oder mehreren Ärzten belegt. Der Arzt saß an einem kleinen Schreibtisch neben der Tür und der Patient durfte daneben Platz nehmen.

Aber von einem geregelten Praxisablauf mit einem ausgeprägten Hang zur Diskretion wie hier in Deutschland war nichts zu spüren. Vor allem in den Vormittagsstunden wollten alle Patienten gleichzeitig drankommen, drängelten sich vor, bildeten Menschentrauben um den gerade sitzenden Patienten und diskutieren bei der Diagnosestellung tatkräftig mit.

Die Ärzte waren sehr auskunftsfreudig, bezogen uns in die Anamnese mit ein und gaben ihr Wissen gerne weiter.

Dann wurden die Patienten auf die Vielzahl der im Raum vorhandenen Liegen verteilt. Am Anfang war ich von dieser Menschenansammlung überwältigt. Als wäre der Raum nicht schon genügend bevölkert, wuselten noch ein Vielzahl von Arzthelferinnen und TCM-Studenten geschäftig durch die Gegend.

Nun folgten wir dem Arzt von Patienten zu Patienten. Die meisten von ihnen gaben bereitwillig Auskunft über die genadelten Punkte, erläuterten Vorgehensweise und Dauer der Behandlung. Wir waren erstaunt darüber, dass die meisten Patienten dreimal die Woche zur Behandlung erscheinen mussten. Nach ein paar Tagen durften wir sogar einige Punkte lokalisieren und auch nadeln, was zum Teil nicht ganz einfach war, da die meisten Patienten sehr gut Schmerz von DeQi unterscheiden konnten und erst zufrieden waren, nachdem die „Sensation“ ausgelöst wurde. Nach einer halben Stunde wurden die Nadeln entfernt und das Spiel begann von neuem.

 

Rückblick

Land und Leute

Was sind die Erkenntnisse, die ich nach 3 Wochen im TCM-Klinikum mit nach Hause nehme? Im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen lautete die Devise in China nicht „Weniger ist mehr“, sondern „Soviel als möglich“.

Es wurde bedeutend tiefer genadelt, so viel gemoxt, das zeitweise die Rauchschwaden die komplette Sicht einnahmen und es gab nur äußert selten einen Patienten ohne Bestrahlung mittels TDP-Lampe. Einen wesentlichen Bestandteil bei der Behandlung bildeten auch die Kräuter. Jedem Patienten wurden die verschiedensten Kräuter verschrieben und Ernährungsrichtlinien vermittelt.

Neben diesen vielen fachlichen Erkenntnissen habe ich noch eine weitere wesentliche Erfahrung gemacht, die vor allem mein Weltbild von China grundlegend verändert hat. Ich habe die Chinesen als ein liebenswertes, offenes und freundliches Volk kennengelernt. Auch wenn mich anfangs ihre ständige Drängelei, ihre Essgewohnheiten und ihr Angebertum irritiert hatten, so haben sie mich nicht als Fremde behandelt, sondern als etwas für ihre Augen Besonderes.

Rückblickend muss ich sagen, dass die vielen Erfahrungen, die ich in der Klinik und im Zusammenleben mit diesen Menschen sammeln konnte, eine wirklich Bereichung meines Lebens darstellen und ich sie nicht mehr missen möchte.

Mit diesen Gedanken steige ich ins Flugzeug und bin mir sicher, nicht das letzte Mal hier gewesen zu sein…

Daniela Mey, China 2008